Teil 03: Die sozialen Gefühle
0Kapitel 7: Scham & Schuld
- Die inneren Richter – Heilung durch radikales Selbstmitgefühl -
Scham und Schuld sind die „bleiernen“ Gefühle der Sucht und Depression. Während Schuld sagt: „Ich habe etwas Schlechtes getan“ (bezieht sich auf eine Tat), sagt Scham: „Ich BIN schlecht“ (bezieht sich auf die ganze Person). Scham möchte uns dazu bringen, uns zu verstecken, das Handy auszuschalten und uns zu isolieren. Doch Scham gedeiht nur im Dunkeln. Sobald wir über sie sprechen, verliert sie ihre Macht. In diesem Kapitel lernen wir, den inneren Richter zu entlassen und Verantwortung zu übernehmen, ohne uns selbst zu vernichten.
Deine Liste beschreibt diesen Zustand treffend: verletzt, kummervoll, resigniert, unglücklich, verzweifelt, mutlos, klein, zerbrechlich.
1. Die Scham-Spirale durchbrechen
Scham führt oft direkt zum nächsten Rückfall: „Jetzt ist es eh egal, ich bin sowieso ein Versager.“ Dieser Gedanke ist die größte Lüge der Sucht.
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Unterscheidung: Lerne, zwischen deinem Wert als Mensch und deinen Fehlern zu trennen. Fehler kann man wiedergutmachen, einen „defekten Kern“ nicht – aber dein Kern ist nicht defekt, er ist nur verletzt.
2. Radikales Selbstmitgefühl (Springer/VT-Ansatz)
In der Verhaltenstherapie nutzen wir das Bild des „Besten Freundes“.
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Würdest du einen Freund, der gerade eine schwere Krise durchmacht, so beschimpfen, wie du dich selbst beschimpfst? Sicherlich nicht.
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Übung: Wenn die Scham kommt, lege eine Hand auf dein Herz und sage dir: „Das ist gerade ein Moment des Leidens. Es ist schwer, aber ich bin für mich da.“
3. Wiedergutmachung statt Selbstgeißelung
Schuldgefühle haben eine Funktion: Sie fordern uns auf, etwas zu korrigieren.
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Anstatt in Kummer zu versinken, erstelle eine Liste: Wem gegenüber habe ich mich falsch verhalten? Wo kann ich mich entschuldigen? Wo kann ich den Schaden wiedergutmachen? Tun ist das beste Gegengift zur Scham.
Stichwort: Vergebung
„Ich bin mehr als meine Fehler. Ich lasse die Scham im Licht der Wahrheit schmelzen und lerne, mir selbst der beste Freund zu sein, den ich je hatte.“