Gefühls-Kompass

Teil 02: Die „schwierigen“ Wegweiser

Kapitel 06: Ekel & Verachtung

- Distanz und Integrität – Was uns abstößt und warum es wichtig ist -

Von 23. März 2026

Ekel ist eine unserer stärksten körperlichen Reaktionen. Ursprünglich sollte er uns vor giftiger Nahrung oder Krankheitserregern schützen. Doch Ekel hat auch eine psychologische Seite: Er zeigt uns, was mit unseren Werten nicht vereinbar ist. Verachtung hingegen ist die soziale Form des Ekels – ein Gefühl der Überlegenheit oder der tiefen Abneigung. In der Sucht erleben wir oft einen zerstörerischen Selbst-Ekel. Wir ekeln uns vor unserem eigenen Spiegelbild, vor der Fahne am Morgen oder den Lügen des Vorabends. In diesem Kapitel lernen wir, den Ekel von uns selbst wegzulenken und ihn stattdessen als gesundes Werkzeug zur Abgrenzung von schädlichen Einflüssen zu nutzen.

In deiner Liste finden wir hier Nuancen wie: abgeneigt, angewidert, scheußlich, widerwärtig, unbebehaglich, befremdlich, widerwillig, fremdschämend sowie die harten Kanten der Verachtung: abwertend, arrogant, herablassend, hämisch, gleichgültig.

1. Vom Selbst-Ekel zur Selbst-Achtung

 Wenn wir depressiv sind oder trinken, richten wir den Ekel gegen uns selbst. Wir fühlen uns „schmutzig“ oder wertlos. Das Ziel der Heilung ist es, zu erkennen: Nicht du bist ekelhaft, sondern das Verhalten oder die Substanz war es. * Strategie: Wenn der Selbst-Ekel kommt, sage dir: „Ich schäme mich für das, was passiert ist, aber ich ekle mich vor dem Gift, das mich dazu gemacht hat.“ Nutze den Ekel, um eine gesunde Abscheu gegen die Substanz zu entwickeln.

2. Ekel als Schutzschild (Integrität)

Ekel hilft dir, „Nein“ zu sagen. Wenn du dich in Situationen oder bei Menschen unbehaglich oder widerwillig fühlst, ist das dein inneres Warnsystem. Es schützt deine Integrität.

  • Übung: Achte auf das „Bauchgefühl“. Wo spürst du eine subtile Abneigung? Das ist kein Fehler, sondern dein Kompass, der dir sagt: „Das hier tut mir nicht gut.“

3. Die Falle der Verachtung

Verachtung (gegenüber anderen) ist oft ein Schutzmechanismus des Egos, um sich selbst weniger klein zu fühlen. Arroganz oder Herablassung sind meist Schilde, hinter denen sich eine tiefe Unsicherheit verbirgt.

  • Wer andere verachtet, isoliert sich. In der Depression führt das in die Einsamkeit.

  • Lösung: Ersetze Verachtung durch Neugier. Warum triggert mich dieser Mensch so sehr? Was in mir fühlt sich bedroht?

Stichwort: Abgrenzung
„Ich nutze meinen Ekel nicht mehr gegen mich selbst, sondern als Schutzschild gegen alles, was meine Seele vergiftet. Wahre Stärke beginnt dort, wo ich mich gesund abgrenze.“

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