Sucht (Alkohol)

Teil 06: Die Doppeldiagnose (Sucht, Depression, Angst)

Kapitel 14: Professionelle Hilfe und medizinische Strategien

– Die Balance zwischen Unterstützung und Risikominimierung –

Von 20. März 2026

Wenn du sowohl eine Suchterkrankung als auch psychische Diagnosen wie Depressionen oder Angststörungen hast, bist du ein „High-Need“-Patient. Das ist keine Abwertung, sondern eine medizinische Tatsache. Du brauchst ein spezialisiertes Umfeld, das nicht nur die Abstinenz, sondern das gesamte psychische System im Blick hat. 

1. Das „Doppeldiagnosen“-Dilemma 

In vielen Standard-Therapien wird entweder nur die Sucht oder nur die Depression behandelt. Wenn du in einer Suchtberatung bist, die keine psychiatrische Expertise hat, oder bei einem Psychiater, der sich mit Sucht nicht auskennt, wirst du oft zwischen den Stühlen sitzen gelassen. 

  • Die Lösung: Suche gezielt nach Kliniken oder Therapeuten mit der Zusatzbezeichnung „Doppeldiagnosen“ oder „Komorbiditäten“. Diese verstehen, dass die Depression dein Suchtdruck-Motor ist und dass die Sucht deine Depression befeuert. 

2. Vorsicht bei der Medikamentenwahl 

Bei einer Doppeldiagnose ist die medikamentöse Einstellung ein Minenfeld. 

  • Das Risiko (Benzodiazepine): In der Akutphase eines Entzugs werden oft Benzodiazepine (wie Diazepam oder Lorazepam) gegeben. Diese sind hochgradig abhängig machend. Bei einer bestehenden Suchtgeschichte sind sie wie „Alkohol in Tablettenform“. 

  • Regel: Wenn sie medizinisch zwingend nötig sind, dann nur kurzzeitig und unter engster stationärer Kontrolle. 

  • Die Chance (Antidepressiva): Moderne SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder SNRI sind in der Regel nicht abhängig machend. Sie können den „chemischen Boden“ so weit stabilisieren, dass du in der Therapie überhaupt erst wieder arbeitsfähig wirst. 

neurotransmitter pathway in the brain, KI-generiert 

3. Psychotherapeutische Strategien 

Was hilft am besten? 

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Diese Form der Therapie wurde ursprünglich für hochgradig instabile Patienten entwickelt. Sie ist exzellent für Doppeldiagnosen, da sie dir konkrete „Skills“ (Fertigkeiten) beibringt, um den Suchtdruck und die emotionalen Spitzen zu regulieren. 

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hier lernst du, die automatischen negativen Gedankenmuster („Ich bin wertlos“, „Ich schaffe das nie“) zu erkennen und durch realistische Einschätzungen zu ersetzen. 

4. Die „Netzwerk-Strategie“ 

Du brauchst ein Sicherheitsnetz, das aus drei Säulen besteht: 

  1. Medizinische Begleitung: Ein Facharzt (Psychiater/Suchtmediziner) für die Neurobiologie. 

  1. Therapeutische Begleitung: Ein Psychologe/Psychotherapeut für die Bearbeitung der Traumata und Muster. 

  1. Soziale Begleitung: Eine Selbsthilfegruppe (anonyme Alkoholiker, Kreuzbund etc.) für den Austausch auf Augenhöhe. 

 

Reflexionsfragen zu Kapitel 14 

  • Hast du aktuell einen Arzt oder Therapeuten, der beide Diagnosen (Sucht UND Depression/Angst) auf dem Schirm hat? 

  • Hast du jemals Medikamente bekommen, bei denen du das Gefühl hattest, sie könnten ein neues Suchtpotential haben? (Wenn ja: Sprich das bei deinem Arzt sofort an). 

  • Bist du bereit, dir ein „Netzwerk“ aufzubauen, anstatt zu versuchen, das „Haus“ alleine zu reparieren? 

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