Sucht (Alkohol)

Teil 06: Die Doppeldiagnose (Sucht, Depression, Angst)

Kapitel 13: Stress-Management bei Angststörungen

– Techniken, die dein Nervensystem beruhigen –

Von 20. März 2026

Angststörungen sind oft eine Dysfunktion des vegetativen Nervensystems. Wenn Alkohol als „Betäubungsmittel“ wegfällt, wird der Sympathikus (der Teil, der für Flucht und Kampf zuständig ist) überaktiv. Deine Aufgabe ist es, den Parasympathikus (den „Ruhe-Modus“) gezielt zu aktivieren. 

1. Das Prinzip der „Physiologischen Bremse“ 

Bei einer Angstattacke oder in hochgradig stressigen Momenten reagiert der Körper schneller als der Verstand. Argumente wie „Es ist doch gar nichts Schlimmes“ verhallen im Nichts. Dein Gehirn braucht physiologische Signale, um runterzufahren. 

  • Der Kältereiz (Mammalian Dive Reflex): Eiskaltes Wasser auf das Gesicht oder ein Kühlpack im Nacken löst einen Reflex aus, der den Herzschlag sofort verlangsamt und den Körper in den Energiesparmodus schaltet. 

  • Die 4-7-8-Atemtechnik: Atme 4 Sekunden durch die Nase ein, halte 7 Sekunden den Atem an, und atme 8 Sekunden langsam durch den Mund aus. Die lange Ausatmung ist das wichtigste Signal an dein Gehirn: „Ich bin in Sicherheit.“ 

2. Das Nervensystem „erden“ (Grounding) 

Wenn die Angst deine Gedanken in eine Spirale zieht („Was wäre wenn...“), musst du den Fokus zurück in den Körper und die Umgebung lenken. 

  • Die 5-4-3-2-1-Methode: 

  • Benenne 5 Dinge, die du siehst. 

  • 4 Dinge, die du spürst (Kleidung auf der Haut, Füße auf dem Boden). 

  • 3 Dinge, die du hörst (ein Vogel, das Rauschen des Laptops). 

  • 2 Dinge, die du riechst (oder die du gerne riechst). 

  • 1 Ding, das du schmeckst. 

3. Die „Stress-Drosselung“ im Alltag 

Bei einer Angststörung ist dein „Stress-Budget“ deutlich kleiner als bei anderen. Du musst proaktiv handeln, bevor die Angst zum Brand wird. 

  • Reizreduktion: Lärm, grelles Licht, hektische soziale Situationen oder endloses „Doomscrolling“ in den Nachrichten sind Gift. Schaffe dir Inseln der Ruhe. 

  • Keine Stimulanzien: Koffein ist ein massiver Angst-Verstärker. Wenn du unter Angst leidest, reduziere Kaffee und Energy-Drinks auf ein Minimum, da sie das Herzrasen imitieren und so die Panik-Spirale triggern können. 

  • Bewegung als Entladung: Angst ist „aufgestaute Energie“. Ein sanfter Spaziergang oder leichtes Dehnen hilft, diese Spannung abzubauen, ohne das Nervensystem durch harten Sport zu überreizen. 

4. Angst vs. Suchtdruck (Craving) 

Lerne zu unterscheiden: 

  • Angst: Fühlt sich an wie Beklemmung, Atemnot, Schwindel, Fluchtinstinkt. 

  • Suchtdruck: Fühlt sich an wie ein „Haben-wollen“, ein quälendes Verlangen nach dem „Lösungs-Mittel“. 

Oft gehen beide Hand in Hand. Wenn die Angst kommt, will dein Suchtgedächtnis sofort den „Feuerlöscher“ (Alkohol). Das ist der Moment, in dem du eine der oben genannten Übungen machen musst. 

 

Reflexionsfragen zu Kapitel 13 

  • Hast du ein „Notfall-Set“ für Angstattacken? (z.B. ein Kühlpad im Gefrierfach, die 5-4-3-2-1 Liste auf dem Handy). 

  • In welchen Momenten merkst du körperlich, dass die Angst „hochkocht“, noch bevor die Gedanken rasen? (z.B. Druck in der Brust, flache Atmung). 

  • Wie sieht dein Alltag aus, um den täglichen „Stress-Pegel“ niedrig zu halten? Wo könntest du mehr Ruhezeiten einbauen? 

 

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