Teil 06: Die Doppeldiagnose (Sucht, Depression, Angst)
Kapitel 18: Achtsame Selbstfürsorge
– Den Körper als Verbündeten gewinnen –
Bei Depressionen und Angststörungen entfremdet man sich oft von seinem Körper. Man spürt nur noch den Schmerz, die Anspannung oder die Taubheit. Achtsame Selbstfürsorge bedeutet, diese Verbindung bewusst und wertschätzend wiederherzustellen.
1. Das „Body-Scanning“ als Sicherheitscheck
Dein Körper sendet Signale, bevor der „Sucht-Notfall“ oder die „Angst-Explosion“ eintritt. Ein täglicher Body-Scan hilft dir, diese Sprache zu verstehen.
-
Die Praxis: Lege dich hin oder setze dich aufrecht hin. Wandere mit deiner Aufmerksamkeit langsam von den Zehen bis zum Kopf. Wo ist Spannung? Wo ist Leichtigkeit? Bewerte nichts. Wenn du Verspannungen im Kiefer oder in den Schultern findest, sende bewusst ein „Lockerlassen“ dorthin.
2. Ernährung und Bewegung als Achtsamkeits-Ritual
Wenn du unter einer Doppeldiagnose leidest, ist Essen oft entweder eine Quelle der Betäubung oder ein vergessener Akt.
-
Achtsames Essen: Nimm dir eine Mahlzeit am Tag, bei der du ohne Handy, ohne Fernseher und ohne Ablenkung isst. Schmecke die Nahrung. Spüre, wie sie den Körper nährt. Das signalisiert deinem Gehirn: „Ich bin wertvoll und ich versorge mich.“
-
Achtsame Bewegung (Yoga/Tai Chi): Diese Formen der Bewegung verbinden den Atem mit der Bewegung. Das ist ideal bei Angststörungen, da der Fokus auf dem „Hier und Jetzt“ liegt und der Geist keine Zeit zum Grübeln hat.
3. Schlafhygiene als heiliger Raum
Schlaf ist die wichtigste Reparaturzeit für dein Gehirn. Bei Depressionen ist der Schlaf oft gestört, bei Angststörungen durch Grübeln blockiert.
-
Das Einschlafritual: Achtsamkeit beginnt vor dem Schlafengehen. Kein blaues Licht mehr, stattdessen eine kurze „Dankbarkeits-Inventur“: Welche drei Dinge waren heute trotz der Herausforderungen okay? Dies bricht den Fokus auf das Negative, der bei Depressionen dominiert.
4. Selbstmitgefühl als Anker
Achtsamkeit ohne Mitgefühl kann kalt sein. Wenn du merkst, dass du heute einen schlechten Tag hast, sag dir: „Ich leide heute, und das ist okay. Ich bin nicht mein Leid.“ Diese Haltung nimmt den Druck aus der Heilung. Du musst nicht „schnell funktionieren“, du darfst „heilen“.
Reflexionsfragen zu Kapitel 18
-
Wie gehst du aktuell mit deinem Körper um – eher als „Gebrauchsgegenstand“ oder als „Partner“, den du pflegen musst?
-
Welche kleine Geste der Achtsamkeit (z.B. Eincremen, bewusstes Dehnen, gesundes Trinken) könntest du heute als „Liebeserklärung an deinen Körper“ integrieren?
-
Kannst du anerkennen, dass die Pflege deines Körpers direkt deine emotionale Stabilität (Angst/Depression) verbessert?